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Rems Gässle

Städtebaulicher Wettbewerb „Quartier der Generationen“, 2022, Schorndorf, IBA´27 Stuttgart, 1.Preis

Die »Gasse« erzählt von Spannung, Abwechslung und menschlichem Maß zwischen den Baukörpern, die Hinwendung zur Rems von der Entdeckung des Flusses als Kristallisationspunkt des Öffentlichen und der Allmende im Quartier. Die einfache, klare Struktur, sowohl im Städtebau als auch in den Gebäuden, ermöglicht verschiedene Nutzungen und gewährt eine längerfristige Anpassungsfähigkeit an wechselnde Bedürfnisse. Sie bieten Platz für verschiendene Wohnformen, gestaltbare Atelier-Wohnungen sowie Arbeits- und Produktionsflächen und bilden im gesamten Viertel, das Leben einer vielfältigen Stadtgemeinschaft ab.

Während die nördliche, die Rems flankierende Bebauung als urbane Abfolge von eher hohen Baukörpern und urbanen Plätzen ausformuliert wird, bindet sich die südliche, eher kleinteilige und niedrige Bebauung an die Bebauungsstruktur der Schorndorfer Vorstadt an. Durchgängige Fuß- und Radwege machen die abwechslungsreichen Räume des Quartiers erlebbar. Das Prinzip der Gassen- und Hofräume bietet intimere Bewegungsräume mit Rückzugsmöglichkeiten, ohne sich gänzlich nach Außen abzuschotten. Die offenen einfachen Strukturen bieten Wohn- und Nutzraum für unterschiedliche Lebensmodelle und Lebensphasen und sind nach Bedarf anpassbar. Auf Untergeschosse wird verzichtet. Das Auto Parken befindet sich gesammelt und geteilt im Mobility Hub an der Paulinenstraße.

Thesen:
1.Urbanität und Natur: 100% Nutzfläche
2. Identitätsträger Wasser
3. Suffizienz trifft auf Energie-Gewinnung: Ein Quartier als Kraftwerk
4. Resilienz: Nichts währt für immer!
5.Partizipation!Selbstorganisation! Möglichkeitsräume!
6. Generationsübergreifendes Wohnen

Kollaboration: Schürmann + Witry Architekten
Ort: Schorndorf
Fläche: 2 ha
Auftraggebende: Stadt Schorndorf in Kooperation
IBA 2027 Stuttgart GmbH
Landschaft: Blank Landschaftsarchitektur
Jahr: IBA Projektvorhaben 2023 -
Städtebaulicher Entwurf 2023-2024
Wettbewerb 2022, 1.Preis

Alle ans Wasser

Realisierungswettbewerb Modellquartier Theodor-Scheiwe-Straße, Münster, 2024

Das Projekt sieht ein vielschichtiges Quartier aus zwei Nachbarschaften mit einer wilden Uferwiese und einem Anger vor. Ein feingliedriges Netz aus Gassen und Höfen strukturiert und verbindet die Nachbarschaften. Kleine Retentionsadern bzw. Kanäle folgen diesem Netz und ergänzen die Freiräume als blau-grüne Infrastruktur. Die intelligente Energieversorgung nutzt Synergien aus der Produktion und den Wohn- und Gewerbebauten. Die Maßstäblichkeit und Programmierung der Bauten im neuen Quartier wird für den Hafen Münster neu erfunden: anstelle einer starren Nutzungsmischung tritt eine offene räumliche Disposition.

Das neue Quartier am Wasser besteht aus zwei Nachbarschaften und einem großzügigen, angerartigen Freiraum, der diese verbindet. Am Kanal findet sich eine weitläufige öffentliche Uferwiese, die zum Baden einlädt und die Vernetzung mit der Stadt fördert. Die Wasserlage assoziiert man mit Nutzbarkeit und Zugänglichkeit - hier soll ein Quartier ohne Privilegien am Wasser entstehen.

Das Projekt sucht den Dialog mit den großen Gewerbebausteinen. Welche Wohnung passt zu Ihrem Leben? Wo wollen Sie arbeiten? Fließende Übergänge und Synergien aus sich oft widersprechenden Nutzungen wie Wohnen und Produzieren prägen das urbane Quartier. Das Höhenprofil folgt dem Motto „Alle ans Wasser“ und stuft sich zum Wasser ab, exklusive Lagen werden vermieden.

Alle Alltagsbedürfnisse sind fußläufig oder per Rad erreichbar. Zu Fuß kann man sich frei bewegen, Abkürzungen durch Gassen und Retentionsadern beschleunigen Wege. Das vielschichtige Mobilitätskonzept wird durch ein Energienetz ergänzt, das Wärme und Kälte liefert und Überschüsse, in den großen Speichern am Platz zwischengespeichert.

Das Potenzial der Vermischung von Wohnen und Arbeiten soll sich auch im Wohnen in experimentellen Wohnformen zeigen. Dafür werden robuste, nutzungsoffene große Gebäude vorgeschlagen, die leicht transformiert werden können. Carla wohnt in einer Wohngemeinschaft am Wasser. Leo lebt im Wohnhof mit Blick auf die belebte Gasse. Familie Münster wohnt in einem Loft am grünen Loop, abends kann Urs mit seinem Dreirad durch die Werkstatt düsen.

Kollaboration: IMS Studio
Ort: Münster
Fläche: 10ha
Programm: Produktion, Gewerbe, Wohnen, Infrastruktur
Auslober:in: Stadt Münster Stadtplanungsamt
Mitarbeitende: Antonia Rieß, Fabio Burghardt
Landschaft: Wolfgang Blank, Blank Landschaftsarchitekten
Beratung Verkehr: Julius Streifeneder, Urban Standards
Beratung Infrastruktur: Stefan Holst, Transsolar KlimaEngineering
Jahr: Realisierungswettbewerb 2024
Bilder Modell: Fabio Burghardt

Konflux Grafrath

Offener, zweiphasiger Realisierungswettbewerb mit städtebaulichem Ideenteil, 2025, 2.Preis

Ein multimodal vernetzter Bahnhof mit neuer, ortsprägender und vielfältig nutzbarer Architektur qualifiziert das Bahnhofsumfeld nachhaltig und stärkt Grafrath langfristig als Standort für Wohnen, Leben und Arbeiten. Der Entwurf „Konflux“ setzt dafür ein multifunktionales Auftaktgebäude an den Beginn des Bahnhofsareals. Eine einfache Struktur und ein maßstäblich angemessenes Volumen schaffen zusammen mit dem Bestandsbahnhof klar gefasste Außenräume, räumliche Ordnung und Identität. Der Bahnhof bleibt erhalten, wird mit minimalen Eingriffen aktiviert und tritt über einen neu gestalteten Freiraum in Dialog mit dem Neubau.

Städtebaulich organisiert das Konzept vier Freiräume: (1) ein zentraler Platzraum als Ort des Ankommens, gefasst durch das quer zu Gleisen und Straße gesetzte Volumen; (2) ein südwestlicher Gartenhof als geschützter Außenraum für Büro- und Wohnen; (3) eine Durchwegung zum Waldrand mit Aktivierung des Bienenhauses für Imkerei, Bildung oder Information; (4) ein nördlicher Mobilitätsraum mit Buswendeschleife, E-Ladestationen und Car-Sharing. Die Buswendeschleife wird nach Nordosten verlegt, um ein barrierefrei vernetztes Gegenüber des Bahnhofs zu schaffen. Fahrradabstellanlagen, Bushalt und Shared Space verbinden Bahnhof, Platz und Waldraum; der Baumbestand fasst die öffentlichen Räume.

Das Erdgeschoss ist zurückversetzt und bildet überdachte Bereiche für Haltestellen und öffentliches WC. Café, Kiosk und die temporär nutzbare Wartehalle aktivieren den Platz und verknüpfen Alt- und Neubau. Die Obergeschosse sind über eine begrünte Laube erschlossen; ein flexibles Raster ermöglicht Wohnen und Arbeiten vom Apartment bis zur ganzen Etage, zonierbare Mittelbereiche werden über Oberlichtbänder belichtet und belüftet.

Die Fassade aus wiederverwendetem Wellblech ist robust; zur Platzseite öffnen Schiebefenster den Innenraum. Konstruktiv folgt der Neubau einem Holzbaukasten ohne Untergeschoss: vorgefertigte Elemente, demontierbare Verbindungen, Schraubfundamente. PV-Dächer, Mieterstrom, Geothermie und Regenwassernutzung (Zisterne) ergänzen das Konzept; helle, versickerungsfähige Beläge und Vegetationsflächen verbessern Mikroklima und Ökologie.

Kollaboration: Stella Birda Architektur
Ort: Grafrath
Fläche: 0,5ha
Programm: Gewerbe & Wohnen
Auslober:in: Stadt Grafrath
Mitarbeitende: Marta Röschinger
Landschaft: NUWELA Büro für Landschaftsarchitektur und Stadtplanung
Beratung Kreislaufwirtschaft: Marc Haines, Concular - Plattform für zirkuläres Bauen
Beratung Tragwerk: Dennis Morköter, Planungsgesellschaft Dittrich MBH,
Jahr: offener Wettbewerb, 2025

Stäffele Bergäcker

Städtebauliche Mehrfachbeauftragung Stadt Leinfelden-Echterdingen, 2025, 1.Preis

Die Leitidee des „Bergäcker Stäffele“ ist ein identitätsstiftendes Quartier am Dorfrand, das Topografie, Blickbezüge und ökologische Qualitäten zusammenführt. Zwei Achsensysteme prägen die Struktur: Wohngassen öffnen sich zum Feld und schaffen weite Sichtachsen in die Ebene; quer dazu verlaufende Stäffele überwinden Höhenunterschiede, verbinden die Gassen und bilden charaktervolle Wege- und Begegnungsräume. Eine überwiegend dreigeschossige Bebauung vermittelt zwischen den angrenzenden Reihen- und Mehrfamilienhäusern sowie den nordwestlichen Einfamilienhäusern. Unterschiedliche Wohnformen – vom Geschosswohnen über Maisonette bis zum Laubenhaus – ermöglichen eine diverse Nutzer:innenschaft; Einfamilienhäuser werden bewusst vermieden.

Das Freiraumkonzept schafft ein eigenständiges Wohnquartier mit hochwertigen öffentlichen und privaten Räumen. Entlang der bestehenden Streuobstwiesen entstehen neue, multifunktionale Freiflächen, Spiel- und Nachbarschaftsplätze sowie Bereiche für Bienen, Beete und urbanes Gärtnern. Bestehende Bäume werden weitgehend erhalten und durch klimaangepasste Neupflanzungen ergänzt; so entstehen Schatten, Kaltluftentstehung und Verdunstungskühlung. Das Quartier folgt dem Prinzip der Schwammstadt: versickerungsfähige Beläge, Retentionsflächen und Zisternen halten Regenwasser zurück und machen es für Bewässerung nutzbar – Trinkwasser wird gespart und die Resilienz in Trockenphasen erhöht.

Der Eingriff in den wertvollen Filderboden wird minimiert: geringe Versiegelung, zentrale Quartiersgarage und ein weitgehend autofreies Quartier. Die Wohngassen dienen nur Anlieferung, Entsorgung und Feuerwehr; Fahrradabstellplätze liegen dezentral an den Eingängen und stärken den Umweltverbund. Energieerzeugung und -speicherung werden als Quartiersverbund gedacht: großflächige PV speist ein gemeinsames System, Wärme wird fossilfrei über zentrale Wärmepumpen (u. a. Erdsondenfeld, Abwasserwärmetauscher) bereitgestellt. Die Gebäude entstehen in modularer, ressourcenschonender Holzbauweise und sind auf langfristig flexible Nutzung ausgelegt.

Kollaboration: Schürmann + Witry Architekten
Ort: Leinfelden-Echterdingen
Fläche: 2 ha
Auftraggeber:in: Stadt Leinfelden-Echterdingen
Mitarbeitende: Kian Matine
Landschaft: Bäuerle Landschaftsarchitektur und Stadtplanung
Beratung Nachhaltigkeit: Felix Thumm, Transsolar KlimaEngineering
Beratung Tragwerk: Tobias Riehle, Pirmin Jung
Jahr: Mehrfachbeauftragung 2025

Intervento Minimo

EUROPAN E18

In the forest, the unexpected doesn’t feel out of place — it feels inevitable, as if the woods had been waiting to reveal it.

In Zeiten rasanten Klimawandels, demografischer Verschiebungen und knapper werdender Ressourcen sind europäische Städte und Gemeinden aufgefordert, ihr Verhältnis zum Vorhandenen neu zu definieren. Unter dem Leitthema Re-Sourcing fordert Europan 18 dazu auf, zu überdenken, wie wir Land bewohnen, Infrastruktur teilen und lokale Materialien nutzen – nicht indem wir mehr hinzufügen, sondern indem wir im Bestehenden mehr erkennen.

Speichersdorf steht exemplarisch als Blaupause für das Potenzial des Ländlichen: eine Stadt, geprägt von Einfamilienhausgebieten, gewerblichen Umstrukturierungen sowie innerstädtischen Landwirtschaftsflächen und Brachen – und bereit für präzise, kleinmaßstäbliche Handlungen statt großer Gesten. Intervento Minimo ist unser Ansatz für diese Aufgabe: die kleinstmöglichen Eingriffe, die bestehende Ressourcen reaktivieren, gemeinschaftliche Resilienz stärken und systemische Veränderungen anstoßen.

Statt nach außen zu wachsen, arbeiten wir mit dem, was darunter und dazwischen liegt: Wir reaktivieren vergessene Wasserkreisläufe, stärken die regenerativen Potenziale des Waldes und transformieren untergenutzte Strukturen wie Garagen zu Wohnraum, Energie- und Versorgungsbausteinen oder gemeinschaftlichen Räumen. Bestehendes Wissen und lokale Traditionen verstehen wir nicht als nostalgisch, sondern als Grundlage für Innovation und Nachhaltigkeit. Jeder Eingriff ist ein Stich in einem neuen Gewebe, das ökologische Regeneration, sozialen Zusammenhalt und architektonisches Experimentieren zu einem lebendigen System verbindet.

Speichersdorf muss nicht neu erfunden werden – es muss neu verbunden werden.

Der trennenden Bahnlinie setzen wir verschiedene Anknüpfungspunkte durch gezielte bauliche Eingriffe auf beiden Seiten entgegen. Nördlich entsteht rund um den Bahnhof ein lebendiger Alltagsknoten (Versorgung, Gesundheit, Handwerk) aus dem Bestand heraus, südlich ein ruhigeres Gegenüber mit adaptiven, bezahlbaren Wohnformen und einem neuen innerstädtischen Wald als kühlender, öffentlicher Freiraum. Als minimale, gezielte Eingriffe schaffen diese Bausteine Raum für neue Wohnformen und geteilte Mobilität. Sie verbinden getrennte Stadträume und machen Speichersdorfs Potenziale im Dazwischen nutzbar.

Ort: Speichersdorf
Fläche: 245ha
Programm: Re-Sourcing: Ressourcen neu denken
Auslober:in: Europan E18, Stadt Speichersdorf
Mitarbeitende: Marta Röschinger, David Wiedmer
Jahr: 2025

HANUTA

Wohnanlage Manzinger Straße in Erding, Realisierungswettbewerb 2025

Der Entwurf HANUTA entwickelt aus der 1950er-Jahre-Siedlung an der Manzinger Straße eine ressourcenschonende Strategie des Weiterbauens. Statt Abriss setzt das Konzept auf Erhalt, Nachverdichtung, Umbau und punktuellen Neubau, um ein klimaneutrales und zukunftsfähiges Quartier mit hoher Lebensqualität zu schaffen.

Die offene Zeilenbebauung zwischen Garten- und Grünräumen bildet die Grundlage des Entwurfs. Hinter den bestehenden Wohnzeilen entlang der Manzinger Straße platziert sich jeweils ein Neubau als Gegenüber. Aus dieser Kombination von Gartenhaus und Laubenhaus entsteht ein zusammenhängendes Gefüge aus Bestand und Neubau, aus klaren Adressen, grünen Gassen, Höfen und Begegnungsorten. Die Neubauten ertüchtigen die Bestandsbauten, schaffen barrierefreie Erschließung, zeitgemäße Infrastruktur und neue Wohnqualität.

Das Quartier basiert auf robusten, flexiblen Strukturen und einem vielfältigen Wohnungsmix für unterschiedliche Lebensformen. Zentrale Gemeinschaftsbereiche, Gemeinschaftsraum, Wasch- und Flexräume fördern Begegnung und gemeinschaftliches Leben. Halböffentliche Plätze, Sitzgelegenheiten, Spielzonen, private Gärten, Terrassen und gemeinschaftliche Nischen ermöglichen Nachbarschaft, Rückzug und Spiel.

Die Freiräume verweben Neubau und Bestand zu einem zusammenhängenden Gefüge. Haydnplatz, grüner Hof, Rasenfläche, Altbaum, begrünte Erschließung und lichter Baumbestand schaffen hohe Aufenthaltsqualität und ein angenehmes Mikroklima. Maximaler Baumerhalt, geringe Versiegelung, natürliche Verschattung, begrünte Dächer und Regenrückhaltung stärken Biodiversität und natürliche Wasserkreisläufe.

HANUTA folgt dem Prinzip des einfachen Bauens und dem sorgsamen Umgang mit dem Bestehenden. Der Erhalt grauer Energie, der Einsatz von Holzbau, Recyclingbeton, Photovoltaik, Regenwassernutzung und fossilfreier Energieversorgung machen die Wohnanlage an der Manzinger Straße zu einem klimaneutralen Quartier. So verbindet der Entwurf alte und neue Identitäten zu einem nachhaltigen Ensemble mit hoher Aufenthaltsqualität.

Kollaboration: etal.
Ort: Erding
Programm: Genossenschaftlicher Wohnungsbau mit 110 Wohneinheiten
Auftraggeber:in: Baugenossenschaft Erding e.G.
Mitarbeitende: Simon Schlereth, Marta Röschinger
Landschaft: Studio Boden
Beratung Nachhaltigkeit: Felix Thumm, Transsolar KlimaEngineering
Beratung Tragwerk: Tobias Huber, zpf Ingenieure
Jahr: Realisierungswettbewerb 2025